Was SLA im 3D-Druck besonders macht
Stereolithografie (SLA) ist das Verfahren für alle, die wissen: Details sind kein Luxus, sondern ein Kriterium. Während FDM für Geschwindigkeit und Robustheit steht und SLS auf funktionale Serien abzielt, spielt SLA seine Stärke dort aus, wo Präzision, Oberfläche und Ästhetik entscheiden.
Mit Schichtstärken von 0,025 bis 0,05 mm erreicht SLA eine Detailtiefe, die andere additive Verfahren schlicht nicht liefern können. Der Preis dafür: höhere Materialkosten, aufwändigere Nachbearbeitung und mechanische Eigenschaften, die weniger verzeihend sind. Genau deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wann SLA Sinn ergibt – und wann nicht.
Wie SLA funktioniert – das Grundprinzip
Beim SLA 3D-Druck härtet ein UV-Laser flüssiges Photopolymer-Harz Schicht für Schicht aus. Dort, wo der Laser das Harz trifft, polymerisiert es sofort zu festem Kunststoff. Anschließend senkt sich die Bauplattform minimal ab, frisches Harz fließt nach, und der nächste Layer entsteht.
Das Ergebnis sind Bauteile mit extrem glatter Oberfläche, scharfen Kanten und feinsten Details. Je nach System kommen dabei unterschiedliche Lichtquellen zum Einsatz:
- SLA: punktgenauer UV-Laser
- DLP: Projektor, der ganze Schichten auf einmal belichtet
- LCD / MSLA: LED-Array mit LCD-Maske
Alle Varianten folgen demselben Prinzip – Unterschiede zeigen sich vor allem in Geschwindigkeit, Bauraum und Wartung.
Die echten Vorteile von SLA gegenüber anderen Verfahren
Auflösung und Oberflächenqualität
SLA erreicht sichtbar feinere Oberflächen als FDM oder SLS. Während bei FDM typische Schichthöhen zwischen 0,1 und 0,3 mm liegen und SLS bei etwa 0,1–0,15 mm arbeitet, spielt SLA in einer anderen Liga.
Das bedeutet: kaum sichtbare Layer, saubere Kanten und Oberflächen, die oft ohne Schleifen präsentationsreif sind. Für Schmuck, Dentaltechnik, Architekturmodelle oder Design-Prototypen ist das ein echter Vorteil.
Maßhaltigkeit und Konsistenz
SLA-Bauteile zeigen nahezu isotrope Eigenschaften. Jede Schicht wird vollständig ausgehärtet, was zu gleichmäßiger Festigkeit und sehr guter Maßhaltigkeit führt. Gerade in der Zahnmedizin oder bei medizinischen Modellen ist diese Konsistenz entscheidend.
Designfreiheit trotz Support
Auch SLA benötigt Stützstrukturen – allerdings aus demselben Harz. Das erleichtert die Materiallogistik und erlaubt extrem dünne Wandstärken, filigrane Durchbrüche und komplexe Geometrien, die mit Fräsen oder Spritzguss kaum realisierbar wären.
Spezialisierte Materialien statt Masse
SLA bietet nicht die Materialbreite von FDM, dafür aber hoch spezialisierte Harze für klar definierte Anwendungen. Das ist kein Nachteil, sondern Absicht.
SLA im Vergleich zu anderen Fertigungsverfahren
SLA vs. Spritzguss
Spritzguss ist bei großen Stückzahlen unschlagbar günstig. Unter etwa 300–500 Teilen ist SLA jedoch schneller, flexibler und wirtschaftlicher – ganz ohne Werkzeugkosten oder lange Vorlaufzeiten.
SLA vs. CNC-Feinbearbeitung
CNC erreicht engere Toleranzen (bis ±0,01 mm), scheitert aber an internen Hohlräumen, filigranen Strukturen und sehr glatten Oberflächen. SLA erzielt Oberflächenrauheiten im Nanometerbereich, während CNC typischerweise im Mikrometerbereich liegt.
SLA vs. FDM
FDM ist robuster, günstiger und besser für funktionale Bauteile unter Dauerlast. SLA hingegen liefert die bessere Optik, höhere Detailtreue und präzisere Geometrien. Kurz gesagt: FDM ist funktional – SLA ist präzise und schön.
SLA-Materialien im Überblick
Das Materialportfolio von SLA ist klar strukturiert:
- Standard-Resine: für Visualisierungen und Designmodelle
- Engineering-Resine: ABS-, PP- oder Nylon-ähnliche Eigenschaften
- Dental-Resine: biokompatibel, zugelassen für den Mundraum
- Biokompatible Harze: für Hautkontakt und Medizintechnik
- Castable Resins: rückstandslos ausbrennbar für Schmuckguss
- Flexible Harze: gummiartig für Dichtungen und Wearables
- Hochtemperatur-Resine: hitzebeständig bis ca. 150–200 °C
Wohin sich SLA-Materialien entwickeln
Die Forschung konzentriert sich aktuell auf:
- Höhere Temperaturbeständigkeit (z. B. PEEK-ähnliche Harze)
- Biologisch abbaubare und medizinische Polymere
- Selbstheilende Harze mit Mikrokapsel-Technologie
- 4D-Druck mit Shape-Memory-Effekten
- Funktionalisierte Harze (leitfähig, magnetisch, thermisch leitend)
Viele dieser Materialien sind noch nicht serienreif – zeigen aber, wohin sich SLA entwickelt.
Die ehrlichen Grenzen von SLA
SLA-Teile sind spröder als FDM- oder SLS-Bauteile. Photopolymere sind duroplastisch und bieten weniger Schlagzähigkeit und Dehnung. Hinzu kommen höhere Kosten:
- Maschinen: ca. 2.500–25.000 €
- Resine: ca. 100–500 € pro Liter
- Nachbearbeitung: Waschen, UV-Nachhärtung, Support-Entfernung
Für große Bauteile oder Serien ist SLA daher selten die beste Wahl.
Wann SLA 3D-Druck die richtige Entscheidung ist
SLA ist ideal, wenn Oberflächenqualität, Detailtreue und Präzision wichtiger sind als mechanische Belastbarkeit. Typische Einsatzfelder sind:
- Zahnmedizin und Medizintechnik
- Schmuckdesign und Gussvorlagen
- Architektur- und Designmodelle
- Präsentations- und Visualisierungsbauteile
Für robuste Industrieteile oder Serien sind FDM oder SLS die bessere Wahl.
Fazit:
SLA ist kein Allrounder – aber dort, wo es passt, ist es ungeschlagen.
Numtec Perform setzt SLA gezielt für hochdetaillierte Architektur-Modelle und Visualisierungen ein, etwa bei preisgekrönten Projekten mit perfektem Oberflächenfinish. Für funktionale Industrieanwendungen kommen FDM oder SLS zum Einsatz. Das richtige Verfahren für die richtige Anforderung.


