FDM (Fused Deposition Modeling) ist heute das am weitesten verbreitete Verfahren in der additiven Fertigung. Nicht, weil es technisch jedem anderen Verfahren überlegen wäre – sondern weil es das beste Verhältnis aus Kosten, Geschwindigkeit und Flexibilität bietet. Genau diese Kombination macht FDM für einen großen Teil industrieller Anwendungen zur ersten Wahl.
Dieser Beitrag zeigt ehrlich und praxisnah:
- warum FDM so dominant ist
- wo seine Grenzen liegen
- welche Materialien heute relevant sind
- und wohin sich das Verfahren technologisch entwickelt
Warum FDM gegenüber konventionellen Verfahren überzeugt
1. Keine Werkzeuge, keine Startkosten
Der größte strukturelle Vorteil von FDM ist der Wegfall von Werkzeugen.
Ein Spritzgießwerkzeug kostet – je nach Komplexität – realistisch 5.000 bis 100.000 €. Diese Investition rechnet sich erst bei hohen Stückzahlen.
FDM benötigt lediglich eine CAD-Datei. Der Druck kann innerhalb weniger Stunden starten.
Realistische Vergleichszahlen:
- Spritzguss: Werkzeug ca. 20.000 €, wirtschaftlich ab 1.000–5.000 Teilen
- FDM: Einzelteilkosten bestehen aus Material + Maschinenzeit (2–4 Stunden)
➡️ Bei Stückzahlen zwischen 1 und 50 Teilen ist FDM in der Praxis 70–90 % günstiger.
2. Komplexe Geometrien verursachen keine Mehrkosten
In der CNC-Fertigung steigen die Kosten mit jeder zusätzlichen Komplexität:
Innenkanäle, Hohlräume, Gitterstrukturen oder organische Formen bedeuten mehr Bearbeitungsschritte, Spezialwerkzeuge und Zeit.
Im FDM ist Geometrie nahezu kostenneutral.
Ein Bauteil mit optimierter Gitterstruktur kann 30–40 % leichter sein – bei nahezu identischer Druckzeit.
Das ermöglicht unter anderem:
- Leichtbau ohne Mehrkosten
- integrierte Kühl- oder Medienkanäle
- ergonomische, organische Formen
- funktionale Multi-Material-Konzepte
3. Schnelle Iteration statt langer Entwicklungszyklen
FDM verändert die Art, wie Produkte entwickelt werden.
Typischer FDM-Zyklus:
- Montag: Design
- Dienstag: Druck
- Mittwoch: Test
- Donnerstag: Optimierung
- Freitag: neue Version
Mit klassischen Verfahren dauert eine Iteration oft 4–6 Wochen.
Mit FDM sind mehrere Design-Iterationen innerhalb weniger Tage möglich.
➡️ Das Ergebnis ist kein schnelleres Projekt – sondern eine agilere Entwicklungslogik.
4. Deutlich geringerer Materialabfall
Subtraktive Fertigung produziert Abfall.
Beispiel CNC:
- Rohmaterial: 5 kg Aluminium (~500 €)
- Endteil: 200 g
- Abfallquote: ~95 %
FDM arbeitet additiv:
- Gedrucktes Material inkl. Support: ~300 g
- Abfallquote: 5–10 %
Das spart Kosten – und ist ökologisch sinnvoll.
5. Dezentrale und on-demand Produktion
FDM-Drucker benötigen keine Industriehalle.
Sie lassen sich direkt in Entwicklungsabteilungen, Werkstätten oder Produktionsnähe betreiben.
Vorteile:
- keine langen Lieferketten
- keine Lagerhaltung
- Ersatzteile on demand
- Produktionsstart innerhalb von Stunden
Gerade bei großen oder kritischen Teilen ist das ein echter strategischer Vorteil.
Die Grenzen von FDM – ehrlich betrachtet
FDM ist kein Allheilmittel.
- Oberflächenqualität: sichtbare Layer, SLA oder CNC sind optisch überlegen
- Genauigkeit: typisch ±0,2–0,3 mm (CNC: ±0,01 mm)
- Serienfertigung: Kosten skalieren linear, Spritzguss wird bei hohen Stückzahlen günstiger
- Anisotropie: geringere Festigkeit in Z-Richtung
➡️ FDM ist nicht universell – aber für einen sehr großen Anwendungsbereich die wirtschaftlich sinnvollste Lösung.
FDM-Materialien heute: Vom Kunststoff zum Engineering-Werkstoff
Standardmaterialien
- PLA: einfach, maßhaltig, geringe Wärmebeständigkeit
- ABS: zäh, hitzebeständig, anspruchsvoller Druck
- PETG: gute Zähigkeit, vielseitig
- ASA: UV-stabil für Außenanwendungen
Engineering-Materialien
- PA (Nylon): hohe Zähigkeit, Abriebfestigkeit
- PC: extrem schlagzäh, temperaturbeständig
- TPU/TPE: elastisch, flexibel, stoßdämpfend
Faserverstärkte Filamente
- Carbonfaser-verstärkt: hohe Steifigkeit, Maßstabilität
- Glasfaser-verstärkt: zäh, vibrationsresistent
➡️ Ideal für Vorrichtungen, Leichtbau, Werkzeuge, Motorsport.
Hochleistungs-Polymere
- PEEK, PEKK, PPSU, ULTEM
- Temperaturbeständigkeit bis 300 °C
- Mechanische Eigenschaften nahe Aluminium
- Erfordern Hochtemperatur-FDM-Systeme
Materialentwicklung: Wohin sich FDM bewegt
Kontinuierliche Faserverstärkung
- Integration endloser Carbonfasern während des Drucks
- Festigkeit ähnlich CFK-Laminat
- Bis zu 80 % Gewichtsersparnis
Selbstheilende Polymere
- Reparatur durch Wärme, UV oder Druck
- Bis zu 100 % Wiederherstellung der Eigenschaften
Funktionalisierte Filamente
- leitfähig
- thermisch leitend
- magnetisch
- sensorisch aktiv
Multi-Material-Designs
- steife, flexible und isolierende Zonen in einem Bauteil
- funktionale Integration statt Bauteil-Komplexität
Welches Verfahren wann sinnvoll ist
FDM, wenn:
- Prototypen oder Kleinserien (1–50 Stück)
- schnelle Iteration
- komplexe Geometrie
- Kosten- und Zeitdruck
CNC, wenn:
- Metallteile
- höchste Präzision
- perfekte Oberflächen
Spritzguss, wenn:
- Serien > 5.000 Stück
- niedrigste Stückkosten entscheidend
SLA, wenn:
- feinste Details
- Optik im Vordergrund
Fazit: FDM dominiert, weil es praxisnah ist
FDM ist nicht das präziseste oder stärkste Verfahren – aber das intelligenteste für reale Produktentwicklung.
Zeit, Kosten und Flexibilität entscheiden im Alltag mehr als absolute Grenzwerte.
Die Zukunft liegt nicht im Wettbewerb der Verfahren, sondern im intelligenten Zusammenspiel.
Mit neuen Materialien, Faserintegration und funktionalen Filamenten entwickelt sich FDM zunehmend in Richtung Production-Grade-Fertigung.
Numtec Perform setzt bewusst auf FDM als zentrales Werkzeug – kombiniert mit Carbon Composites, Engineering-Know-how und industriellen ALLSTAR-Systemen – um komplexe Bauteile schnell, wirtschaftlich und reproduzierbar umzusetzen.

